K O M M E N T A R
der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kreishandwerkerschaften

Meister ade?

Der Meisterbrief, das Qualitätssiegel des Deutschen Handwerks, soll sich - geht es nach dem Willen der Bundesregierung - einem dramatischen Bedeutungswandel unterziehen. Ein nie zuvor da gewesener Kahlschlag verbannt 65 von 94 Gewerken aus der Anlage A zur Handwerksordnung; nur noch für 29 Handwerksberufe soll der große Befähigungsnachweis Voraussetzung einer selbständigen Tätigkeit sein.

Es spricht von Inkompetenz und Ignoranz gegenüber der volkswirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Leistung des Handwerks, wenn die Bundesregierung meint, so die auch das Handwerk betreffende wirtschaftliche Misere in Deutschland beseitigen zu können. Eine grundlegende Veränderung kann nur durch bessere gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen gelingen. Niedrigere Steuern und Sozialabgaben sowie weniger Bürokratie sind Voraussetzung für mehr Beschäftigung und Wachstum, nicht aber eine Reform der Handwerksordnung, die zudem noch schlecht gemacht ist. Gerade hier müsste - um mit Altbundespräsident Roman Herzog zu sprechen - ein Ruck durch die Bundesregierung gehen.

Gleichwohl ist unbestritten, dass sich das Handwerk einer - allerdings konstruktiv-kritischen - Überprüfung stellen muss. Dazu hat es auch gegenüber der Bundesregierung ausdrücklich seine Bereitschaft erklärt. Zielführend ist eine Reform der Handwerksordnung aber nur dann, wenn sowohl die hohe Ausbildungsbereitschaft und Ausbildungsleistung im Handwerk gewährleistet als auch Beschäftigung gesichert und ausgebaut sowie Flexibilität bei Unternehmensgründungen ermöglicht wird. Eine solche Vorgehensweise steht dann auch mit beiden Beinen auf dem Boden der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Diese fordert nämlich, dass bei der Festlegung der Gewerke mit Meisterzwang auch der Schutz wichtiger Gemeinschaftswerte durch besondere Anforderungen, u. a. an die Qualität der Ausbildung sowie an den Umwelt- und Verbraucherschutz, zu berücksichtigen sind. Für einen Meisterbrief "auf kleinem Dienstwege", wie er durch das "Ersitzen" von Gesellenjahren durch die Bundesregierung ermöglicht werden soll, ist damit kein Platz. Das bedeutet nicht, dass die Qualifikation langjähriger Gesellen unbeachtet bleiben soll. Sie kann beispielsweise im Rahmen einer Meisterprüfung stärkere Anerkennung erfahren als das bislang der Fall ist. Hier bietet sich zweifellos noch erheblicher Gestaltungsspielraum und damit auch eine sinnvolle Chance zur Flexibilität. Die Einführung einer siebenjährigen Überprüfungsfrist für eine neu geordnete Handwerksordnung geht dabei in dieselbe, richtige Richtung.

Die Bundesregierung drückt aufs Tempo; das Handwerk muss das Tempo mitgehen. Daher ist für die Position des Handwerks umgehend intensivste Überzeugungsarbeit bei den Abgeordneten des Deutschen Bundestages in ihren jeweiligen Wahlkreisen zu leisten. Die Resolution der Kreishandwerkerschaften aus ganz Deutschland, vor einer Woche einstimmig verabschiedet bei ihrer diesjährigen Bundestagung in Schwerin, macht dies mehr als deutlich. Packen wir es also an, damit der Meisterbrief das bleibt, was er - allen Anfeindungen zum Trotz - ist: Das Symbol deutscher Handwerkstradition sowie der Identifikationspunkt für viele Handwerksunternehmen und damit der Garant für die Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit der tragenden Säule des Mittelstandes und damit der deutschen Wirtschaft insgesamt.


Andreas Fabri
Geschäftsführer der Bundesarbeits-
gemeinschaft der Kreishandwerkerschaften



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